„Nachhaltige“ Stoffe auf der MunichFabricStart entdecken dank „Organic Selection“ leicht gemacht?

Mehr als 500 „nachhaltige“ Stoffe (GOTS, GRS, BS u.a.) und 100 „nachhaltige“ Zutaten (GOTS, FSC u.a.) von mehr als 50 Anbietern (von insgesamt 1105 Anbietern) wurden auf der MunichFabricStart für Herbst/Winter 2014/15 vom 3.-5. September 2013 in München im Rahmen der „Organic Selection“ präsentiert. Das heißt ca. 4,5% der Aussteller hatten „nachhaltige“ Stoffe im Sortiment. Anders ausgedrückt: Ca. 95,5% der Aussteller waren nicht einmal mit einem einzigen Stoff in der ohnehin großzügig definierten „Organic Selection“ vertreten. Da nur eine handvoll der Anbieter aus der „Organic Selection“ ausschließlich „nachhaltige“ Stoffe anbietet und der Großteil nur einzelne nachhaltige Stoffe in ihrem überwiegend konventionellen Sortiment hatte, lag der Anteil an „nachhaltigen“ Stoffen vermutlich weit unter 1% des Angebotes. Der Anteil an zertifizierten Biostoffen war noch deutlich geringer, da nur ein Teil der Stoffe aus der Organic Selection zertifiziert bio war. Der Hauptumsatz auf der MFS wird also ganz eindeutig über konventionelle Stoffe erzielt.

Leider waren nicht alle Stoffe, die als GOTS in der „Organic Selection“ gekennzeichnet waren, wirklich GOTS zertifizierte Stoffe.

Produkte aus recycelten Materialien (z.B. recyceltes Polyester) oder sogar neu abgebauten, nicht-erneuerbaren Ressourcen (z.B. Polyamid aus frischem Erdöl) unter dem Begriff „Organic Selection“ zu präsentieren erscheint höchst problematisch. Da der Begriff „organic“ in der EU für Textilien nicht geschützt ist, ist das hier rein rechtlich möglich. In den USA und auch Indien wäre eine solche Kennzeichnung meines Wissens nach illegal. Wenn man Produkte aus Recyclingmaterialien in eine Auswahl „nachhaltigerer“ Stoffe einschließen möchte (was durchaus sehr sinnvoll sein kann), so wäre der Begriff „Eco Selection“ wohl auf jeden Fall geeigneter als der Begriff „Organic Selection“, um Verwirrung bei den Käufern zu verhindern und der international üblichen Terminologie zu entsprechen. Ob Stoffe aus Polyamid es verdient haben, in einer sogenannten „Eco Selection“ gelistet zu werden, bleibt fraglich.

Wenn wir mit konventionellen Anbietern sprachen und diese zu Biobaumwolle fragten, hörten wir oft: (1) Ich weiß nicht, ob diese Baumwolle bio ist. Vielleicht ist sie bio. (2) Ich weiß nicht, was Bio-Baumwolle ist. (3) Baumwolle ist immer bio. (4) Vertrauen Sie wirklich auf Bio-Siegel? Bio-Siegeln kann man nicht vertrauen.

Für Käufer, welche sich noch nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, war es auf jeden Fall leider immer noch ziemlich schwer zwischen wirklich nachhaltigen und doch nicht so ganz nachhaltigen Produkten zu unterscheiden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.